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Fellowsoph und Edi Flaneur – Funk und Fernsehen

Es gibt Momente, da fragst du dich ernsthaft, ob die Akteure zu viel Zeit im Studio oder einfach nur zu viel Zeit vor der Röhre verbracht haben. Bei Fellowsoph und Edi Flaneur ist die Antwort ein klares Ja zu beidem. Mit ihrer Funk und Fernsehen LP liefern die beiden Wiener Originale ein Stück Arthouse-Rap ab, das sich irgendwo zwischen einer durchzechten Nacht im Beisl und einem Fieberraum-Marathon durch das Nachmittagsprogramm der Neunziger bewegt. Während andere Rapper versuchen, den nächsten Algorithmus-Hit zu landen, verlieren sich Fellow und Edi lieber in den Tiefen der Mattscheibe und kommen mit einem Sound zurück, der so staubig und doch so lebendig ist, dass man den Geruch von altem Polster und erhitzter Elektronik förmlich riechen kann.

Das Konzept ist so simpel wie genial: Ein Duo, das eigentlich ein Meisterwerk vollenden will, bleibt beim Zappen hängen und verschmilzt kurzerhand mit dem Programm. Was folgt, ist kein klassisches Album, sondern ein Director’s Cut der menschlichen Absurdität. Edi Flaneur zimmert hier Beats zusammen, die nicht einfach nur Kopfnicken erzwingen, sondern wie ein analoges Rauschen durch die Gehörgänge flimmern. Das ist Funk in seiner reinsten, rettenden Form. Es ist der organische Gegenentwurf zur sterilen Autotune-Tristesse, die sonst so oft aus den Boxen schallt. Edi beweist hier einmal mehr, dass er kein bloßer Produzent ist, sondern ein Sound-Ästhet, der genau weiß, wie man gefährliches Halbwissen musikalisch so verpackt, dass es wie eine Offenbarung klingt.

Fellowsoph wiederum nutzt die Kulisse der TV-Landschaft, um zwischen Daily Soaps und harten Gangsterfilmen seine ganz eigene Geschichte zu erzählen. Sein Flow ist dabei so entspannt, als würde er im Bademantel auf der Couch sitzen, während er gleichzeitig messerscharfe Beobachtungen über das Diskursniveau unserer Gesellschaft abfeuert. Es ist dieser Kontrast aus leichtfüßiger Comedy und schwerer Kost, der die Platte so greifbar macht. Wenn er über die Abgründe eines TV-Tages rappt, spiegelt das mehr Realität wider als so manch ein Pseudo-Street-Track. Hier wird nicht für das Einspielergebnis oder die Quote performt, sondern für die künstlerische Freiheit, die eigene Story ungeschnitten und ohne Hollywood-Budget durchzuziehen.

Am Ende ist Funk und Fernsehen eine Liebeserklärung an das Unperfekte und die Magie des Augenblicks. Wer genug hat vom polierten Einheitsbrei und Bock auf einen wilden Ritt durch nostalgische Schwarz-Weiß-Streifen und explosive Effekte hat, kommt an diesem Teil nicht vorbei. Fellowsoph und Edi Flaneur haben hier ihren ganz persönlichen Blockbuster gedreht, der ganz ohne ORF-Förderung auskommt und trotzdem, oder gerade deshalb, einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Es ist die Rettung durch den Funk, serviert auf einem silbernen Tablett aus Wiener Schmäh und purer Leidenschaft. Wer das nicht feiert, hat wahrscheinlich einfach nur das falsche Programm eingeschaltet.

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