05Wenn in der Musikwelt das Wort Senkrechtstart fällt, ist meistens eine gehörige Portion Skepsis angebracht, doch bei Joshua Pepe fühlt sich der aktuelle Wirbel erstaunlich organisch an. Der Wiener Newcomer hat mit „Engelsblick“ einen Track vorgelegt, der genau in die Schnittmenge aus digitalem Zeitgeist und echtem musikalischem Handwerk zielt. Während die halbe Industrie noch darüber rätselt, wie man Authentizität simuliert, spaziert Pepe im Fake-Pelz durch das verschneite Wien und lässt die Algorithmen für sich arbeiten, ohne dabei wie ein bloßes Produkt zu wirken.
Musikalisch ist „Engelsblick“ eine hochspannende Mischung, die sich mutig bei den Großen bedient und trotzdem eine ganz eigene Duftmarke hinterlässt. Man hört die entspannte Lässigkeit eines Mac DeMarco, kombiniert mit der exzentrischen Wiener Schule eines Yung Hurn oder Bilderbuch, abgerundet durch eine moderne Beat-Ästhetik, die dezent in Richtung Afrobeats schielt. Dass Pepe seine Instrumente selbst einspielt und die Produktion übernimmt, merkt man dem Song in jeder Sekunde an. Es ist kein am Reißbrett entworfener Industriestandard, sondern ein Stück Indiepop, das trotz seiner offensichtlichen Hit-Tauglichkeit Ecken und Kanten behält.
Besonders faszinierend ist die Leichtigkeit, mit der Joshua Pepe das Spiel mit der Sprache beherrscht. Sein Songwriting ist direkt und gegenwärtig, verliert sich aber nie in Belanglosigkeiten. Es ist dieser spezielle Wiener Schmäh, der mitschwingt und dem Ganzen eine Note verleiht, die man so zwischen Berlin und Hamburg selten findet. Dass mittlerweile die Major-Labels Schlange stehen und die A&Rs nervös mit den Kugelschreibern klicken, ist die logische Konsequenz aus einem Hype, der nicht nur auf Klicks, sondern auf Substanz basiert.
Natürlich schwingt bei so einem rasanten Aufstieg immer die Sorge mit, dass die kreative Freiheit unter dem Dach eines Giganten wie Warner Music leiden könnte. Die Romantiker unter uns würden ihn sicher gerne noch ein wenig länger im Underground sehen, doch „Engelsblick“ beweist, dass Joshua Pepe bereit für die große Bühne ist. Wenn ein Künstler mit so viel Selbstverständnis und Talent um die Ecke kommt, dann ist der Wechsel zum „FC Bayern der Musik“ vielleicht genau der richtige Schritt zur richtigen Zeit. Man darf gespannt sein, ob er sich seine Unbeschwertheit bewahrt, aber für den Moment ist dieser Song schlichtweg der perfekte Soundtrack für den Umbruch.